Menschen von hier und ihr Blick aufs Quartier

Michi Nägeli

In den letzten Jahren hat er bereits einige Artikel und die berühmt-berüchtigte Dättnau-Kolumne zu Euses Blättli beigetragen. Neben seiner Familie und den Hobbys Gitarre, Brettspiele, Lesen und Sport gucken arbeitet er als Pflegefachmann im Kinderspital Zürich.

 

Stadtleben
Nach einigen Irrwegen und diversen Wohnorten – sogar aus Versehen bis in den Aargau (wer weiss schon, dass Spreitenbach im Aargau liegt, wenn früher jeder Zürcher dorthin in die IKEA ging …) – wollte ich einmal in einer Stadt wohnen. Winterthur schien mir ideal, was sich auf lange Sicht bestätigt hat. Nach einigen Jahren Single-Wohnung in Töss zog ich mit meiner Frau nach Dättnau in eine tolle Wohnung an der Neubruchstrasse. Inzwischen besitzt unsere Bank einige Meter davon entfernt ein Haus, in dem wir mit unseren beiden Kindern wohnen.

 

Schichtarbeit
Grundsätzlich schätze ich die unregelmässigen Schichten als Pflegefachmann. Sie bringen viel Abwechslung in mein Arbeitsleben, jede Schicht hat ihre eigenen Abläufe. Auch in der Freizeit kann ich Randzeiten nutzen und habe oft vormittags Zeit für meine Hobbys. Dafür kehre ich nach der Spätschicht erst kurz vor Mitternacht nach Hause zurück und muss bei Frühdienst mit wenig Schlaf auskommen. Mit steigendem Alter merke ich deutlich, dass ich mehr Erholung brauche und mein Ruhebedürfnis gestiegen ist.

 

Nachts ist das Dättnau …
Ruhig. Sehr ruhig. Und im Winter dunkel. Im Bus hat man meist freie Platzwahl. Wegen der konstant zeitlich unkonstanten Verspätungen weiss ich nie genau, wann ich an der Bushaltestelle sein soll – bei Regen besonders unerquicklich, da die Haltestelle Hedy Hahnloser keinen Unterstand bietet. Früher sass ich nach der Nachtschicht oft auf einer Bank in Schlieren und genoss das Gefühl, Feierabend zu haben, während alle anderen zur Arbeit mussten. Das hat mich amüsiert und mir ein überlegenes Superhelden-Gefühl beschert.

 

Nachterlebnisse
Hunderte! Nur schon all die verschiedenen speziellen Charaktere von Dauernachtwachen, also Menschen, welche nur nachts arbeiten. Einmal habe ich dankend auf unansehnliche FKK-Urlaubsbilder eines Kollegen verzichtet… Oder ich war für die Blumenpflege in 13 Stockwerken zuständig, die mir völlig egal war. Nach einem halbstündigen Alibi-Giessen verbrachte ich die Nacht UNO spielend mit der hübschen Laborantin. Nachdem eine Pflegerin einen Bewohner im Pflegeheim wiederholt so straff gebettet hatte, dass er sich kaum bewegen konnte, gewährte ich ihm in meiner Nacht freien Zugriff auf seine spannenden Heftchen und seinen Genitalbereich …

 

Die Michi-Nägeli-Music-Hall
Meine Wünsche fürs Dättnau habe ich in meinen Kolumnen bereits geäussert. Die «Michi-Nägeli-Fender-Marshall-Gibson-Music-Hall» gibt es leider immer noch nicht (siehe Euses Blättli Nr. 137)!

 

Michi Nägeli (50) lebt seit rund 20 Jahren im Dättnau.

 

Aufgezeichnet: Christine Schär

Fotos: zVg Michi Nägeli